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Sep

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Die Wale der Walker Bay

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An der südöstlichen Küste Südafrikas sind wir mit einem Ort der Schönheit und Ruhe gesegnet – nicht nur wir, sondern auch die Südlichen Glattwale. In mehreren Buchten entlang der Küste tauchen die Südkaper ab etwa Anfang Juni jedes Jahr aufs Neue auf, um ihre Babys zu gebären und sich in Vorbereitung aufs nächste Jahr zu paaren.

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Diese sanften Riesen verbringen ihren Sommer in den südlichen Gewässern nahe der Antarktis. Sie sind Bartenwale, was bedeutet, dass sie keine Zähne haben, aber dafür große Köpfe mit langen Barten und Borsten, mit denen Meerwasser gefiltert wird, um die winzigen Organismen, die ihre Ernährung darstellen, einzufangen. Ein ausgewachsener Wal frisst etwa 500 kg Zooplankton und andere winzige Organismen am Tag … die notwendige Ration, um seine 40-60 Tonnen und 15 m Körperlänge ausreichend zu versorgen! Er tut dies durch „Abschöpfen“ – er schwimmt mit offenem Mund durch Schwärme von Zooplankton, ein einzigartiges Verhalten unter Bartenwalen.

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Diese großen Mengen an Nahrung sind außerdem notwendig, um die Wale auf eine lange und gefährliche Reise von ein paar tausend Kilometern bis ans Ufer des südlichen Afrikas, Australiens, Neuseelands und Südamerikas zur Geburt ihrer Babys (Kälber) vorzubereiten. Wir Einheimischen glauben jedoch, dass die Küste Südafrikas einige der besten Walbeobachtungsstationen der Welt vom Land aus bietet! Und das ist ein sehr guter Grund, unsere Küsten im Winter zu besuchen!

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Durch den kommerziellen Walfang zwischen 1820 bis 1935 stark dezimiert ist die Bevölkerung der Südkaper in der Zwischenzeit stetig von etwa – zum schlimmsten Zeitpunkt – 300 Tieren auf zwischen 5000 und 7000 Tiere angestiegen. Die schwimmenden Besucher Südafrikas wuchsen mit einer jährlichen Rate von 7% von 100 Tieren im Jahr 1940 bis auf ungefähr 1000 zum heutigen Zeitpunkt an. Dies ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, und wir schätzen uns glücklich, heute in der Lage zu sein, diese erstaunlichen Geschöpfe in beträchtlicher Zahl wieder an unseren Küsten zu sehen.

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Die Bucht zwischen Hermanus und Gansbaai ist bekannt als Walker Bay. Während der Walsaison ist sie für den normalen Schiffsverkehr geschlossen, um den Walen eine ruhige Geburt und Paarung zu ermöglichen. Die Tragezeit beträgt etwa ein Jahr. Beim jährlichen Besuch geht es also darum, ein Baby zu bekommen und es vor der Rückkehr in antarktische Gewässer zu stärken – in den wärmeren südafrikanischen Küstengewässern gibt es nicht genug Nahrung, nicht genug Zooplankton.

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Natürlich gibt es auch andere, die zur Paarung mitkommen – die Bullen sind mit dabei und es gibt viele Kühe. Kühe erreichen die Geschlechtsreife erst nach etwa 10 Jahren, und man nimmt an, dass sie sich alle drei bis vier Jahre paaren – ein Jahr Tragezeit, ein Jahr zur Kindererziehung und ein Jahr Pause. Letzteres brauchen die Weibchen aufgrund der großen körperlichen Belastung der Schwangerschaft und der darauf folgenden fast sechs Monate Säugezeit des Kalbs, das mehr als 200 kg Milch am Tag braucht … eine sehr herausfordernde Aufgabe! Babywale wiegen etwa 900 kg und messen durchschnittlich etwa 6 m Länge bei der Geburt. Sie brauchen etwa 30 Minuten nach der Geburt, um schwimmen zu lernen! Manche Kälber kommen weiß zur Welt, und man nimmt an, dass diese Männchen sind. Sie erreichen ihre normale Pigmentation innerhalb einiger Monate.

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Sobald die Babys geboren sind, scheint es, als schwämmen ihre Mütter mit ihnen entlang der Küste in der Bucht, um ihnen beizubringen, wie Sie den Atem anhalten, wie sie tauchen, wie sie treiben, springen, ihre Schwanzflossen auf dem Wasser aufschlagen, auf dem Kopf stehen. Es klingt nach einer Menge Spaß für die Jungen, aber wir vermuten, dass dies alles Teil ihrer Ausbildung und ihres Trainings ist, um sie stark genug für die Rückreise in die antarktischen Futtergebiete zu machen.

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Wenn man sich still auf die Felsen von De Kelders in der Nähe von Gansbaai setzt, kann man diese erstaunlichen Kreaturen dabei beobachten, wie sie ihren Jungen beibringen, mit anderen zusammen zu sein und vor Freude begeistert durch das Wasser zu hüpfen – manchmal mit 10 Sprüngen nacheinander. Wenn sich ein Weibchen zur Seite dreht, so dass ein Auge aus dem Wasser schaut, und man merkt, dass man beobachtet wird, ist das eine tief anrührende Erfahrung. Was sie wohl sieht? Und eines Tages verlassen die Giganten uns wieder und schwimmen zurück in die antarktischen Futtergebiete. Das Meer kommt einem dann sehr leer und ruhig vor. Eine Vorahnung davon, wie einsam es doch ohne diese majestätischen Tiere im Ozean wäre, macht sich breit. Lächeln Sie dann ruhig – denn Sie wissen: Nächstes Jahr werden die Wale wie alte Freunde wieder zu uns zurückkehren.

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