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Oct

14

Die Wiege der Menschheit

SterkfonteinCave

Nur eine Autostunde von Johannesburg entfernt steht die „Wiege der Menschheit“ in den Magaliesbergen. Im Jahr 1999 wurde die Gegend zu einem wichtigen Weltkulturerbe ernannt und ist die Heimat der 15 wichtigsten Fossilfundstellen, von denen die Sterkfontein-Höhlen die bekanntesten sind.

Die Höhlen sind Eigentum der Universität Witwatersrand und sind weltbekannt für Funde menschlicher und tierischer Fossilien, die von Wissenschaftlern bei Ausgrabungsarbeiten entdeckt worden sind.

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2005 wurde die Anlage bei den Sterkfontein Caves umfangreich überholt und ist nun viel besucherfreundlicher. Nun sind ein gutes Restaurant, Konferenzräume und eine sehr interessante Ausstellung, die die Entdeckungen und menschliche Entwicklung zeitlich darstellt und viele der ausgegrabenen Fossilien zeigt, vorhanden.

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Dann gibt es natürlich noch die Höhlen selbst mit Führungen über Holzstege vorbei an der Ausgrabungsstätte, wo die meisten Fossilien gefunden wurden, die alle halbe Stunde stattfinden.

Wozu die ganze Aufregung – um was geht es genau? Die wahrscheinlich bekanntesten Entdeckungen sind „Mrs Ples“, ein auf 2,1 Millionen Jahre geschätzter Schädel der Spezie Australopithecus africanus in exzellentem Zustand und „Little Foot“, ein fast vollständiges Australopithecus-Skelett, das auf mehr als 3 Mio. Jahre geschätzt wird.

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Mrs. Ples wurde am 18. April 1947 von Robert Broom und John T. Robinson entdeckt und bekommt ihren Namen von dem wissenschaftlichen Namen Plesianthropus transvaalensis, den Broom zunächst dem Schädel gab. Das Geschlecht des Schädels ist nicht ganz sicher, es könnte auch Herr Ples sein, aber genau genommen müsste es Fräulein oder Ples junior sein, da anhand von Röntgenanalyse der Zahnwurzeln feststeht, dass er/sie ein(e) Jugendliche(r) war! Die Altersdatierung des Schädels wurde mit Paläomagnetismus und Uran-Blei-Technologien vorgenommen.

Die Geschichte von „Little-Foot“ ist noch interessanter – die Knochenfragmente wurden im Jahr 1994 von Ronald J. Clarke in Museumskisten mit Fossilfragmenten und der Aufschrift Cercopithecoids gefunden. Clarke identifizierte mehrere Teile, die von der Silberberg Grotto in den Sterkfontein Höhlen gekommen und zweifellos menschenartige linke Fußknochen der Gattung Australopithecus waren.

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Die Knochen waren sehr klein, daher die Bezeichnung „Little-Foot“ (kleiner Fuß). Im Jahr 1997 fand er weitere Fußknochen sowie ein deutlich abgerissenes Tibia-Knochenfragment der gleichen Person. Dies veranlasste ihn, seine beiden Assistenten Stephen Motsumi und Nkwane Molefe zur Silberberg Grotto zu senden, um das passende Stück Tibia zu suchen – und erstaunlicherweise fanden sie es innerhalb von zwei Tagen! Gemeinsam entdeckten sie einen kompletten Schädel und Kiefer und andere Extremitätenknochen. Unter erheblichem Beifall wurde diese Entdeckung der Presse im Jahr 1998 angekündigt. Nachfolgende Ausgrabungsarbeiten brachten Überreste ans Licht, die die Rekonstruktion eines relativ vollständigen Skeletts ermöglichten – weit vollständiger als das berühmte Australopithecus afarensis „Lucy“-Skelett aus Äthiopien.

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Die Ausgrabung von Little Foot war besonders schwierig wegen des verkalkten Zustands der Höhle und dauerte fast 15 Jahre. Dr. Clarke legt nahe, dass „Little Foot“ weder zum Australopithecus afarensis noch zum Australopithecus africanus gehört, sondern zu einer einzigartigen Gattung des Australopithecus, dem Australopithecus prometheus, einzigartig in dieser Gegend und womöglich einer der ältesten bekannten direkten Vorfahren der heutigen Menschen.

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Nachdem Sie nun die Fundstätte gesehen, die Höhlen entdeckt und in der Ausstellung in die Vergangenheit gereist sind, bleibt Ihnen noch eine Sache, bevor Sie zurückfahren: Besonders wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, ist dieses Angebot fantastisch – etwas weiter hinauf bringt Sie die Straße nach Maropeng.

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Die Ausstellung befindet sich im Tumulus-Gebäude. Auf dem Wege dorthin können Sie an der archäologischen „Steinzeit“-Stätte stoppen, bei der seit 2005 Ausgrabungen stattfinden. Die Steinzeitwerkzeuge, die hier gefunden wurden, deuten darauf hin, dass die Felsen im Maropeng-Gebiet zum Herstellen der Werkzeuge der Jäger und Sammler vor 0,5 Mio. bis 1,0 Mio. Jahren, vor dem Auftreten des Homo Sapiens, genutzt wurden. Funde versteinerter Steinwerkzeuge befinden sich häufig in der „Maropeng Original Fossil Area“.

Alles hier ist eine Entdeckungsreise und man kann sich leicht bei der Reise durch die Zeit verlieren – beim Spaziergang durch enorme Zeitraster, die Sie durch die Stadien des Universums nehmen – den Beginn des Universums vor etwa 15 Mrd. Jahren, durch die Formation der Erde vor 4,6 Mrd. Jahren, die Entstehung des Lebens vor ca. 3,8 Mrd. Jahren – man fühlt sich richtig klein und unbedeutend! Aber, ja, die gesamte Menschheit teilt gemeinsame afrikanische Vorfahren; wir haben alle unsere Wurzeln in Afrika!

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Die Inneneinrichtung des Tumulus-Gebäudes spiegelt die Entdeckung und die Elemente unseres Lebens und unserer Erde wieder – Feuer, Erde, Luft und Wasser. Unternehmen Sie eine Fahrt im Unterseeboot durch die Zeit und die Erschaffung der Welt: Eine gelungene Darstellung mit Licht und Geräuschen, die unter die Haut geht.

Wandern Sie durch die verschiedenen Ausstellungen und erleben Sie die Entwicklung der Menschheit und die Bedeutung der vielen Entwicklungen, die die Menschheit vorangetrieben haben – der Gebrauch von Werkzeugen, Verwendung und Kontrolle von Feuer, Waffen, Sprache, Industrialisierung und vieles mehr, und dann einige, die riesige Fragen über uns selbst hinterlassen haben: Krieg, Völkermord und die globale Erwärmung.

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Es besteht kein Zweifel daran, dass Sie die „Wiege der Menschheit“ mit einem besseren Verständnis, woher wir alle kommen und noch bedeutender, wie wir gemeinsam in dieser wunderschönen Welt vorwärts gehen können, verlassen.

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