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Aug

14

Einfach Erdmännchen

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Erdmännchen sind eines dieser Tiere, die man unbedingt sehen sollte, wenn man die Kalahari besucht – wir sagen sogar oft: „Wer keine Erdmännchen gesehen hat, war nicht in der Kalahari!“ Trotzdem kann es manchmal passieren, dass sich diese fleißigen, kleinen Wesen während einer Reise überhaupt nicht sehen lassen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass ich mit mehreren Erdmännchen-Gruppen auf meiner letzten Reise in den Kgalagadi Transfrontier Park Zeit verbringen konnte!

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Nachdem diese charismatischen kleinen Wesen durch das Animal Planet-Programm „Meerkat Manor“ bekannt wurden, haben die meisten Leute eine ziemlich gute Vorstellung vom bunten Treiben dieser Tierchen, aber erst bei gemeinsamer Zeit in der Wildnis lernen Sie sie richtig kennen. Erstens bin ich immer wieder überrascht, wie klein sie sind – wenn Sie sich auf die Suche begeben, müssen Sie Ihren Fokus anpassen. Erwachsene wiegen im Durchschnitt nur rund 0,7 kg bei einer Körperlänge von 30 cm. Ihre langen Schwänze von etwa 25 cm sorgen für das notwendige Gleichgewicht, wenn sie in ihrer charakteristischen Haltung auf ihren Hinterbeinen stehen – die Pose, die uns so gut bekannt ist. Sehr häufig klettert der Wächter auf einen Ameisenhaufen oder in die oberen Zweige eines Busches, während die Familie Nahrung sucht. Bietet die Umgebung einem Jäger Möglichkeiten, sich nahe heranzuschleichen, kann der Wächter so die drohende Gefahr schon aus der Ferne erkennen.

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Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Erde treffen und den Boden zu erwärmen beginnen, findet man die Gruppe oft zusammengedrängt direkt am Eingang ihres Baus, die Haare stehen wie Flaschenputzer in alle Richtungen – dies hilft dabei, ihre Körperwärme durch das „Einfangen“ einer Luftschicht nahe am Körper zu halten. Sie stehen nah beieinander, um ihre kollektive Wärme zu teilen, und die Babys drücken sich fest gegen die Erwachsenen. Wenn sie sich so aufgewärmt haben, machen sie sich auf Nahrungssuche. Wenn man sich ruhig verhält, kann man das kontinuierliche Zirpen zwischen ihnen hören, denn sie bleiben bei der Nahrungssuche in Kontakt – und immer bleibt mindestens einer zurück, der nach Gefahr Ausschau hält und den Eingang zum Bau im Auge behält, falls die Jungen drinnen sind.

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Die Raubtiere, nach denen Ausschau gehalten wird, sind Adler, Schakale und Schlangen. Sobald eines entdeckt wird, scheucht ein schriller Schrei die Jungen ins nächste Loch, während sich die Erwachsenen um den Aussichtspunkt sammeln und die Gefahr intensiv anstarren und anzwitschern. Die größte Gefahr kommt aus der Luft, von Adlern und anderen Greifvögeln. Wenn jedoch eine große Schlange auftaucht, greifen die Erdmännchen sie oft an und verjagen sie. Kleinere Schlangen werden zur Beute – Erdmännchen fressen alles, und zu ihrer Ernährung gehören Insekten, Skorpione, Eidechsen, Vögel, Früchte, kleine Schlangen, Maden und Würmer.

Kgalagadi Guided Trip November 2013

Wenn Sie beobachten, wie sie von Busch zu Busch huschen und im Boden nach den Leckerbissen graben, die sie dort vermuten, können Sie den hohen Nahrungsbedarf nachvollziehen, der für eine derartige grenzenlos scheinende Energie nötig ist.

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Und wenn Sie sehen, wie sie tiefer und tiefer graben und dabei ihr ganzer Oberkörper und Kopf auf der Suche nach Beute im Sand verschwinden, verstehen Sie, wie verletzlich sie ohne ihren Wächter und die stete Kommunikation wären. Aber mit ihr wissen die Tierchen, dass alles ok ist und sie sich auf die Nahrungssuche konzentrieren können!

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Einige interessante Fakten über Erdmännchen:

  • Herdentiere, die oft in Gruppen angetroffen werden. Gemeinschaften bestehen oft aus mehreren Familien.
  • Die Gruppen werden von einem Alpha-Weibchen und einem Alpha-Männchen dominiert – das Alpha-Weibchen ist die Einzige, die Jungtiere in der Gemeinschaft haben darf. Doch das Alpha-Männchen hat weitere (Beta-)Weibchen und wenn diese Jungtiere haben, kann es sein, dass sie vom Alpha-Weibchen getötet werden, wenn sie schwanger ist.
  • Weibchen gebären nach einer Tragzeit von 77 Tagen jährlich 2-4 Jungtiere. Erdmännchen-Junge sind bei Geburt haarlos und die Augen bleiben mindestens 10 Tage geschlossen. Sie kommen erst nach ca. 3 Wochen aus dem Bau.
  • Untergeordnete (Beta-)Weibchen wechseln sich mit der Betreuung der Jungtiere im Bau ab, bis diese alt genug sind, um nach draußen zu gehen.
  • Erdmännchen verlassen sich beim Training zur Futtersuche und Gefahrerkennung mehr auf Mentoring als auf Instinkt! Ältere Erdmännchen und Geschwister helfen also bei der Erziehung der Jungen – und lehren sie, Gefahr zu erkennen, Futter zu suchen … unter anderem auch, wie man Skorpione essen kann, ohne gestochen zu werden!
  • Die Jungen sind erst ab 3 Monaten in der Lage, sich ihre eigene Beute zu beschaffen und müssen sich vorher beim Futter auf ihre Babysitter verlassen.
  • Erwachsene und Junge veranstalten Kampfspiele, um Fähigkeiten zu erlernen und zu üben, die sie darauf vorbereiten, als Erwachsene ihren Anspruch in der Gruppe geltend zu machen.
  • Beta-Männchen und Beta-Weibchen verlassen in der Regel die Gruppe, bevor sie 3 Jahre alt werden. Beta-Männchen verlassen die Gruppe freiwillig und suchen sich eine andere Gruppe, die sie eventuell übernehmen können. Beta-Weibchen werden oft vom Alpha-Weibchen aus der Gruppe vertrieben, wenn diese schwanger wird – vor allem, wenn sie auch schwanger sind! Manche kehren zur Gruppe zurück, nachdem das Alpha-Weibchen geboren hat.
  • Erdmännchen nutzen zahlreiche Höhlen und kommen am Ende eines Tages der Nahrungssuche nicht unbedingt zum selben Bau zurück. Dadurch erweitern sie ihren Speiseplan. Die Höhlen haben lange Tunnel und Zimmer und behalten in der Hitze eines Sommertages oder der Kälte einer Winternacht eine ziemlich konstante Temperatur.
  • Manchmal wird der Bau mit Erdhörnchen und Fuchsmangusten geteilt.

Suricate Action 2

Am Ende eines langen Tages der Nahrungssuche kann man die Erdmännchen-Gruppe oft dabei beobachten, wie sie die letzten Sonnenstrahlen genießt, während sie sich gegenseitig mit Schnauze und langen Krallen striegeln, wobei einige der Jungen schon im Stehen einschlafen. Dann huschen sie nach unten in den Bau und verbringen dort die Nacht, um am nächsten Tag wieder bereit zu sein für die Dinge, die Erdmännchen eben so tun!

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